Rhapsodie in School

Die Theaterpädagogin der Städtischen Theater Chemnitz, Heike Vieth, fragt mich unerwartet bei einer Opernaufführung, ob meine Schüler Lust hätten, eine Generalprobe der Robert-Schumann-Philharmonie zu besuchen und danach die Solisten im Rahmen des Projektes „Rhapsodie in School“ näher kennenzulernen. Allerdings müsste während des Konzertes absolute Ruhe herrschen. Ich denke an unsere aufgeweckten Schüler und bin mir nicht sicher. Also frage ich die KollegInnen der Grundstufe. Drei Klassen wollen vollständig mit, 15 weitere Schüler aus den anderen Klassen sowie zehn Schnupperkinder. Können 80 Schüler leise sein?

Wir wagen es. Durch den Personaleingang der Stadthalle geht es hinein in den Konzertsaal. Die Probe hat noch nicht begonnen. Überall stehen Musiker und üben einzelne Passagen ihrer Stimme. Im Foyer nehmen wir Platz und werden von Heike Vieth befragt: „Wer von euch spielt den ein Instrument?“ Etwa die Hälfte aller Schüler meldet sich. „Was bedeutet der Begriff Generalprobe?“ „Es ist die letzte Probe vor dem Konzert.“ „Was meint ihr, wie viele Proben gab es vorher?“ Die Schüler staunen, nur viermal proben alle Musiker gemeinsam, dann muss alles perfekt klappen. Die Theaterpädagogin erzählt uns Details über die „Rhapsodie für großes Orchester“ und deren italienischen Komponisten Alfredo Casella sowie über Johannes Brahms und dessen Konzert für Violine, Cello und Orchester a-Moll.

Dann beginnt die Probe. Über 100 Musiker befinden sich auf der Bühne, allein das Schlagwerk wird von acht Personen gespielt. Dazu gibt es Streicher in Sechzehner Besetzung, zahlreiche Blasinstrumente und zwei Harfen. Der Dirigent Felix Bender bewegt sich dynamisch, zeigt Einsätze und hat alles im Griff. Für das zweite Stück betreten die Violinistin Lea Birringer und der junge Cellist Andrei Ioniţă die Bühne. Sie spielen so gut zusammen, dass man meint, eine einzige Riesengeige mit größerem Tonumfang zu hören. Nach dem Konzert werden wir für unsere Ruhe gelobt.

Am nächsten Tag besuchen uns die beiden Solisten in der Schule. Im Musikzimmer haben nun über 50 Kinder die Möglichkeit, Fragen an die Musiker zu stellen. Diese wird sofort rege genutzt: Wie alt seid ihr? Wie teuer sind eure Instrumente? Habt ihr auch Lampenfieber? Wo kommt ihr her? Was macht ihr, wenn euer Instrument kaputt geht? Wann habt ihr euch entschieden, Musiker zu werden? Welches Stück der Oper „Zauberflöte“ mögt ihr am liebsten? Wann habt ihr angefangen, Musik zu machen?

Lea Berringer hat mit 3 Jahren begonnen, Geige zu spielen. Andrei mit 8 Jahren, allerdings spielte er vor dem Wechsel zum Cello schon drei Jahre Klavier. Beide Solisten sind sich einig, dass sie nie viel geübt haben. Mehr als vier Stunden täglich seien nicht gesund.

Zum Schluss musizieren die beiden noch eine Invention von Johann Sebastian Bach, ihre geplante Zugabe für das Konzert am Abend. Danach gibt es professionelle Autogrammkarten für alle und die Schüler bemerken: „Die waren ja voll nett!“

Bilder...

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Veröffentlich in der Kategorie "Oberschule" am 26.11.2017

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