Antropologisch-pädagogische Grundlagen  

„Die menschliche Personalität muss in den Blick genommen werden und nicht eine Erziehungsmethode“
(Montessori, 1966)  

Grundlage unserer Arbeit sind die Erkenntnisse Montessoris über die notwendigen Freiheiten für die kindliche Entwicklung. Ausgehend von der Psyche des Kindes als eigenständiges Wesen stellt sie fest, dass Kinder alle notwendigen Grundlagen und Voraussetzungen zum Erwachsenwerden in sich tragen. Daraus resultieren die größtmöglichste Achtung, Wertschätzung und das Vertrauen zum Bildungswillen und zur Bildungsfähigkeit unserer Schüler. Zur Entfaltung ist eine weitestgehende Öffnung der Schule  und ein ganzheitliches Lernen notwendig. Diese basieren auf den Erkenntnissen Montessoris über die besondere Rolle des Lehrers, die vorbereitete Umgebung und die freie Wahl der Tätigkeit im Rahmen der Unterrichtsorganisation. 

 

Der Unterricht

Der Unterricht soll offene, lebensnahe und altersgerechte Lernsituationen gewährleisten. Er soll Platz  für individuelle Arbeitsrhythmen, Kreativität und soziales Lernen, eine interkulturelle und ökologische Bildung vermitteln. Die Nutzung moderner Medien im Unterricht darf dabei der im täglichen Leben nicht nachstehen. Die Schule soll die heranwachsende Generation für die Kompetenzen und die Weltoffenheit fit machen, die in
einem modernen Europa gefragt sind. Die Lernziele sollen für die Schüler durch Lernbereichspläne, persönliche Planmappen, Wochenpläne sowie gegliederte und angeleitete Themenkurse immer überschaubar sein. 

Die Lerninhalte richten sich nach dem sächsischen Lehrplan für Mittelschulen. Die Erarbeitung der Stoffverteilungspläne und die Festlegung der Unterrichtsform obliegt der Verantwortung der Fachlehrer, Zeit- und Stundenplanung sowie die fächerübergreifende Koordination wird im Lehrerkollegium abgestimmt. Ab Klasse 7 sollen profilübergreifende Angebote in musisch-künstlerischer, wirtschaflich-technischer und sozialer Orientierung gemacht werden. Ein entsprechendes Profilkonzept befindet sich in Diskussion und wird
nachgereicht.

Der Morgenkreis stellt ein wichtiges soziales Bindeglied für die Klasse dar. Offene Gespräche zu selbstgewählten Themen, eigenen Problemen oder Vorhaben stimmen auf den Alltag oder spezielle Projekte ein. Diese Form der Selbstreflexion oder des Gedankenaustauschs findet unter der Leitung von Schülern statt.

Die Freiarbeit sichert entsprechend der verschiedenen Voraussetzungen jedes Schülers die Individualisierung des Unterrichts. Anhand handlungsorientierter Unterrichtsmaterialien einschließlich PC kann jeder selbst über Lerngegenstand, -tempo und –form entscheiden. Dabei werden Lehrplaninhalte möglichst fächerübergreifend erarbeitet und gefestigt. Im Zusammenhang mit der konkreten Stofferarbeitung werden so Erfahrungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten zur selbstständigen Wissensaneignung gesammelt. Der Klassenlehrer steht als Helfer zur Verfügung. Die Erarbeitung der Materialien, überschaubar gegliederter und angeleiteter Themenkurse mit Zielorientierung, Erarbeitung, Festigung und die Kontrolle der Ergebnisse zur Sicherung der Lehrplananforderungen sowie für zusätzliche Förderangebote und Anreize zur Vertiefung erfolgt durch den Fachlehrer. 

Um Schülerinteressen für den Unterricht zu nutzen, werden möglichst fächerübergreifende, handlungsorientierte Projekte erarbeitet und vorgestellt. Sie dienen neben der formalen Wissensvermittlung im besonderen Maße der Entwicklung sozialer Kompetenzen. Teamfähigkeit, kollektive Arbeitsorganisation, die Befähigung eine Gruppe zu leiten bzw. auch sich unterzuordnen stehen im Mittelpunkt.  Diese Methode soll kontinuierlicher Bestandteil des Unterrichtsplans werden.

Der Fachunterricht vertieft mit altersgerechten Methoden das Wissen eines Unterrichtsfaches. Dabei werden auch die Lerninhalte aus der Freiarbeit und den Projekten vor- und nachbereitet.  

Besonderen Bedarf zur Förderung von Begabungen oder zum Aufholen spezifischer Entwicklungsrückstände soll mittels spezieller Kurse entsprochen werden. Dazu gehört auch das Angebot zum Erlernen einer zweiten Fremdsprache. Fakultative Angebote stellen eine wesentliche Ergänzung zur Ganztagsschule dar.

Zur Unterstützung der kindgerechten Heranführung an die Lebens- und Arbeitswelt der Erwachsenen werden Praktika durchgeführt. So gehören Handwerkspraktika zu Holz, Metall, Keramik, Hauswirtschaft, Textilgestaltung genauso zum obligatorischen Unterricht wie mehrwöchige Betriebspraktika in Handwerksbetrieben, Dienstleistungsfirmen und im Sozialdienst. Das Betreiben von Schülerfirmen wird ausdrücklich gefördert.

Festliche Anlässe werden gemeinsam gestaltet und bieten einen Rahmen für vielfältige Projekte. Das gemeinsame Erleben der sich daraus entwickelnden Traditionen soll für die Schüler den Jahreskreis und das Heranwachsen zeitlich und in seiner Bedeutung für unser Leben fassbar machen. Wiederkehrende Feste werden durch gesonderte Anlässe wie Konzerte, Ausstellungen, Klassenfahrten und Projektvorstellungen ergänzt.

 

Schulorganisation  

Der Unterricht wird überwiegend in altershomogenen Klassen organisiert. Jahrgangsübergreifende Lerngruppen sind jedoch in einzelnen Lernsituationen möglich. Es gilt die Stundentafel für die sächsische Mittelschule nach Umfang und Anteil der einzelnen Fächer. Damit auch in der Freiarbeit diese Anteile gewahrt bleiben und die Erfüllung der Lehrplanziele gewährleistet ist, erhalten die Kinder im Laufe des Schuljahres
Fachpläne für die einzelnen Lernbereiche, persönliche Planmappen und Wochenpläne. Diese Einschränkung der freien Wahl des Lerngegenstandes macht sich wegen des Umfangs, der Komplexität und für eine Überschaubarkeit des Unterrichtsstoffes notwendig. 

Die Montessori-Mittelschule Chemnitz vermittelt die Möglichkeit zur Erlangung des Hauptschulabschlusses, des differenzierten Hauptschulabschlusses und des Realschulabschlusses mittels innerer Differenzierung. Statt gesonderter Klassen werden lehrplangemäß abgestufte Lernpläne entwickelt, die über Freiarbeit, Gruppenarbeit und differenzierte Projektarbeit umgesetzt werden.

Als besonderes Moment bietet die Integration behinderter Kinder eine wechselseitige Bereicherung für alle. Behinderte werden durch die besonderen heilpädagogischen Möglichkeiten der Montessori-Pädagogik individuell gefördert und erfahren zugleich ihre Einbeziehung ohne behinderungsspezifische Ausgrenzung mit all ihren Folgen. Zusammen mit den nichtbehinderten Kindern lernen sie, dass der Wert eines Menschen
nicht von seiner Leistungsfähigkeit abhängt und jeder auf seine Art das Zusammenleben bereichert. Gemeinsam werden sie sensibilisiert für die Bedürfnisse und Interessen anderer, entwickeln ein Gespür dafür, wo Hilfe angebracht oder erforderlich ist und lernen diese selbstverständlich zu leisten oder in Anspruch zu nehmen. Vor der Aufnahme behinderter Kinder in unsere Schule sind die personellen und materiellen Voraussetzungen für eine schädigungsspezifische Förderung ggf. auf Grundlage des entsprechenden Förderschullehrplanes zu schaffen. Dafür wird eine gesonderte Konzeption erstellt.  

Einseitige Kontrollen und Bewertungen ausschließlich durch den Lehrer werden unterlassen. Die Schüler sollen lernen, sich selbst einzuschätzen sowie mit Erfolg und Misserfolg umzugehen. Dafür werden vielfältige Hilfen und Anreize geschaffen, die eine Reflexion der eigenen Leistung ermöglichen, ohne zu Ausgrenzungen zu führen (Fachpläne, Planmappen, Kontrollhilfen). Berücksichtigt werden sollen Übungen, Tests, Vorträge, Darstellungen, Aufführungen u. ä., aber auch Methodenkompetenz und Sozialverhalten. Mindestens halbjährlich werden in Klassenleiterbriefen verbale Einschätzungen vorgenommen.   

Dieses Außenbild enthält keine Wertung der Person und soll ein bewusstes Weitergehen des Kindes ohne Minderwertigkeitsgefühle oder Anpassungsdruck ermöglichen. Die Form dieser Bewertung erlaubt eine Klassifizierung, die bei Bedarf auf das übliche sechsstufige System für Unterrichtsnoten übertragbar ist. Die Kriterien für das Erreichen der einzelnen Bewertungsstufen entsprechen denen im staatlichen Bereich, damit eine Vergleichbarkeit gegeben ist. Im Falle eines Schulwechsels kann so auf Verlangen ein Notenzeugnis erstellt werden. Auf diese Weise werden auch die staatlichen Versetzungsbestimmungen angewandt.

In Ergänzung mit Elternsprechstunden besteht die Möglichkeit, sich über die Entwicklung der Kinder und die Erfüllung der Lehrplananforderungen detailiert zu informieren.  

Nach gründlicher Abwägung wird vor Beginn des Schuljahres 2003/04 über die Einführung von Noten ab der 8. Klasse für alle Schüler entschieden.  

Der Ganztagsschulbetrieb lebt von einem vielfältigen Angebot auch am Nachmittag. Die Schule öffnet sich zum Stadtteil, beteiligt sich an der Entwicklung im Wohngebiet und bezieht das Geschehen in das Schulleben mit ein. Bei Bedarf wird ein Hort eingerichtet.  

Die Eltern-Mit-Arbeit, ihr inhaltliches und praktisches Engagement für die Entfaltung der Montessori-Pädagogik in unserer Schule ist eine unverzichtbare Voraussetzung für die Entfaltung unserer Kinder. Das erfordert von allen Eltern die inhaltliche Identifizierung mit  dem pädagogischen Konzept als auch die Verpflichtung zu einer ihren Möglichkeiten entsprechenden Mitarbeit und zur Mitgliedschaft im Montessori-Verein Chemnitz e.V.

Zur inhaltlichen Mitarbeit zählt insbesondere die fortlaufende Information über den Lern- und Entwicklungsprozess der Kinder in Lehrer-Eltern-Gesprächen, die Sorge um die pädagogische Ausgestaltung der gesamten Klasse in gemeinsamen Elternversammlungen bis hin zu Schulversammlungen mit Schüler-, Elternrat und Pädagogen. Diese Podien bieten für die Eltern Informationen und Gedankenaustausch zugleich.  Die praktische Unterstützung beinhaltet u.a. die Hilfe bei Schulveranstaltungen und bei der Ausgestaltung des Schulgeländes.

Grundsätzlich können Kinder aller sozialen Schichten, Konfessionen und Nationalitäten aufgenommen werden. Die Aufnahme ist jedoch durch die Klassen- und Schulkapazität beschränkt, deshalb kommen ggf. folgende Kriterien zur Anwendung: vorhergehender Besuch einer Montessori-Schule, Besuch von Geschwisterkindern in Montessori- Einrichtungen, vorhandene Schul- und Klassenzusammensetzung und Reihenfolge der Aufnahmeanträge. Für Neuzugänge kann ein Einführungszeitraum festgelegt werden.  


 
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Konzeption Mittelschule als PDF-Datei

Konzept zur Weiterentwicklung der Sekundarstufe

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Montessori Verein Chemnitz e.V.: Kinderhaus, Grundschule, weiterführende Schule