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1870 |
in Chiaravalle bei Ancona geboren, bald Umzug nach Rom |
| 1886 | promoviert als erste Frau Italiens zum Dr. med. | |
| 1896 bis 1898 | Assistenzärztin in der Kinderabteilung der Psychiatrischen Uniklinik in Rom | |
| 1898 bis 1900 | Direktorin eines Heilpädagogischen Instituts im Rom | |
| 1907 | Eröffnung des ersten Kinderhauses im Elendsviertel St. Lorenzo in Rom | |
| 1909 | erster internationaler Kurs zur Einführung in die Montessori-Pädagogik | |
| 1913 bis 1949 | Vortragsreisen, Kurse u.a. in Europa, Nord- und Südamerika, Indien | |
| 1949 | Umzug nach Holland | |
| 1952 | in Noordwijk aan Zee gestorben |
Maria Montessori wird am 31. August 1870 in Chiaravalle
bei Ancona geboren. Als behütetes Einzelkind wächst sie in einem liberal-religiösen
Elternhaus auf. Ihr Vater, Alessandro Montessori, und ihre Mutter,
Renide Stoppani, zählen zur politischen Elite Italiens. Die Mutter
vor allem denkt liberal, fördert die extravaganten Wünsche ihrer Tochter
nach einer für ein Frauenleben damals sicher ungewöhnlichen wissenschaftlichen
Bildung. Maria ist kein frühreifes Kind, und in den ersten Schuljahren
tut sie sich nicht hervor. Eine Zeitlang will sie Schauspielerin werden
und denkt zunächst nicht an eine akademische Laufbahn. Zu ihrer Persönlichkeit
gehört schon früh eine gewisse Autorität und eine willensstarke, manchmal
vorlaute Ausdrucksweise. Bei einem Rückblick auf ihre Schulzeit erinnerte
sich Maria Montessori an eine Lehrerin, die ihre Schülerinnen die
Lebensgeschichten bedeutender Frauen der Vergangenheit auswendig lernen
ließ und sie aufforderte, ihren Spuren zu folgen und selber eines
Tages berühmt zu werden. Die kleine Maria hatte auf diese Ermahnung
geantwortet, ihr täten die zukünftigen Kinder zu leid, als dass sie
der Reihe der Biografien noch eine hinzufügen möchte. Das Mädchen,
das durch solche Geschichten hindurch schimmert, ist selbstsicher
und willensstark. Früh zeigt Maria einen für ein junges Mädchen in
der damaligen Zeit revolutionären Geist.
1875 besucht Maria die öffentliche Volksschule und wechselt später
auf eine technisch-naturwissenschaftliche Schule. Maria möchte Medizin
studieren, wird jedoch an der Universität abgewiesen. Gegen den Willen
der Eltern studiert sie zunächst Ingenieurwesen und Mathematik. Nach
Ablegen der Prüfungen erlangt sie die Berechtigung zur Aufnahme eines
Medizinstudiums. Jedoch ist die Zeit ihres Studiums von großen Schwierigkeiten
geprägt. Die Professoren ignorieren die junge Frau und Mitstudenten
reagieren ablehnend, sogar boshaft. 1896 erreicht Maria Montessori
ihr Ziel und schließt ihr Studium mit der Promotion ab. Sie ist die
erste "Dottoressa" Italiens.
In den letzten beiden Jahren ihres Studiums arbeitet sie bereits als
Assistentin an einer psychiatrischen Klinik. 1896 bis 1898 folgt eine
Anstellung als Assistenzärztin in der römischen Universitätskinderklinik,
Abteilung Kinderpsychiatrie. Und dort wächst ihr pädagogischer Tatendrang.
Sie hat nicht nur Mitleid mit den dort eingepferchten und apathischen
behinderten Kindern, sondern auch den Willen, ihnen zu helfen. "Man
muss vielmehr verstehen, in der Seele des Kindes den darin schlummernden
Menschen anzusprechen", schreibt sie. Im Umgang mit den geistig behinderten,
kleinen Patienten erkennt sie den Tätigkeitsdrang und Eigenantrieb,
der allen Kindern zu Grunde liegt. Sie ist der Überzeugung: "Das Problem
dieser Kinder ist in erster Linie ein pädagogisches, nicht ein medizinisches".
Sie stößt auf die Werke von J.G.Itard und E.Seguin, die beide davon
überzeugt waren, behinderte Kinder durch besondere Förderung anregen
zu müssen. Unter Einbringung dieser Sinnesmaterialien, in Kombination
mit medizinischen Erkenntnissen, entwickelt sie eine pädagogische
Methode, mit der sie in ihrer Arbeit als Dozentin an der Lehrerbildungsanstalt
und Direktorin eines heilpädagogischen Instituts in Rom (1898 - 1900)
beachtliche Erfolge erzielt. Ihre Zöglinge leisten oft bereits nach
zwei Jahren genauso viel wie gesunde Kinder und können die Regelschule
besuchen. Maria Montessori beginnt sich zu fragen, was am "normalen"
Schulsystem so falsch sein könne, dass geistig gesunde Kinder derartig
schwache Leistungen erbringen.
Maria Montessori geht eine Beziehung mit dem angesehenen Arztkollegen
Dr. Giuseppe Montesano ein. Ihr einziges Kind, Sohn Mario, wird im
März 1898 geboren. Da die Geburt eines unehelichen Kindes damals das
totale Ende ihrer Arbeit bedeutet hätte, entschließt sie sich, es
auf dem Land bei einer Pflegefamilie aufwachsen zu lassen. Nach der
Trennung von Montesano verlässt sie das Institut und studiert Anthropologie
und Psychologie. 1904 wird sie zur Professorin für Anthropologie an
der Universität Rom ernannt.
Maria Montessori folgert aus ihren Erkenntnissen heraus, dass mit
Hilfe ihrer Unterrichtsmethode alle Kinder ungleich besser gefördert
werden könnten, als es bisher der Fall war. 1907 wird sie von der
italienischen Regierung damit beauftragt, das erste Kinderhaus in
San Lorenzo, einem Vorort von Rom, zu "beaufsichtigen". Im "Casa dei
bambini", dem Kinderhaus, das in einem sozialen Brennpunkt Roms entsteht,
findet Maria Montessori das erste Experimentierfeld für eine Pädagogik,
die vom Kind ausgeht. Hier entstehen die Buchstaben aus Sandpapier,
der Schleifenrahmen, der Steckkasten, die Farbtäfelchen, das Lernmaterial,
das bis heute in jedem Montessori-Kindergarten zu finden ist. Sehr
schnell spricht sich in Rom das Kinderhausmodell herum, da die Kinder
nicht geahnte Fortschritte machen mit Erfolgen, die den "unterprivilegierten"
Kindern vorher nicht zugetraut wurden.
In ihrer pädagogischen Auffassung orientiert sich Maria Montessori
an bestimmten Prinzipien, die für die damalige Zeit geradezu revolutionär
waren, und die sicherlich den Erfolg der Montessori-Pädagogik bis
heute erklären. 1909 veröffentlicht sie ihr Hauptwerk "Il metodo".
Da ihre pädagogische Arbeit immer größer wird, mehr und mehr Besucher
empfangen werden wollen, Briefe auf ihr Beantwortung warten und viele
Menschen in Kursen mehr über ihre Methode erfahren wollen, beschließt
Maria Montessori im Alter von vierzig Jahren, ihre ganze Kraft ausschließlich
ihrer "Bewegung" zu widmen. Mit der für sie typischen Konsequenz gibt
sie ihre Dozentur und ihre Privatpraxis auf und versucht von da an,
mit Vorträgen, Ausbildungskursen, Büchern, ihren Unterhalt zu verdienen.
Von 1913 an reist sie in viele Länder der Erde. In Europa, Amerika
und Indien hält sie Vorträge. Im gleichen Jahr hält sie den ersten
internationalen Lehrgang in der Ausbildung von Lehrkräften in ihrer
Methode. Diese setzt sich immer mehr durch und fast überall in Europa
und Amerika entstehen Montessori-Schulen nach ihrem Vorbild. 1922
wird sie zum Regierungsinspektor der Schulen Italiens ernannt.
Die Entwicklung der Montessori-Pädagogik wird immer wieder durch totalitäre
Regime, wie in der Sowjetunion, Italien, Spanien und Deutschland unterbrochen.
In der Zeit des Nationalsozialismus werden in Deutschland alle Montessori-Einrichtungen
geschlossen. Die politische Situation in Europa vor dem ersten Weltkrieg
bewegt Maria Montessori, 1916 ihren Wohnsitz nach Spanien zu verlegen,
doch sollte das nicht der einzige Umzug in ihrem Leben bleiben. Vor
Ausbruch des zweiten Weltkrieges zieht sie von Spanien nach Holland,
und nachdem dort die Deutschen einmarschieren, geht sie auf eine Einladung
früherer Mitarbeiter nach Indien. Dort leitet sie in Adyar eine nach
ihrer Methode der Selbsterziehung eingerichtete Schule. 1947 kehrt
Montessori nach Europa zurück. Bis zu ihrem Lebensende wohnt sie in
Nordwijk aan Zee, wo sie am 06. Mai 1952 stirbt.

