Poetry-Slam: Es gibt etwas zu sagen

Gestern, ich liebe dich voller Angst, du Vergänglichkeit, du Auto des Pfingstspatzes, EXCALIBUR! Wer jetzt Bahnhof versteht, war nicht dabei. Am 7. November 2019 in der Universitas-Buchhandlung, wo Schüler und Schülerinnen der weiterführenden Montessori-Schule Chemnitz ihre poetische Kunst performativ in die geglättete Welt ruckelten. In diesem Fall war die Welt ein literarischer Salon voller Musengeliebter und -liebender. Auch wenn die Versorgung an Luft und Kunst für mindestens eine Vergänglichkeit gereicht hätte, so musste kein Leib darben, denn für das kulinarische Wohl war auch abseits der Bratwurst durch fleißige Holunderbienen gesorgt.

Das Alles verblasst aber gegen das intellektuelle food for thoughts, was aus den spirituellen Hirnen der Schülerschaft quoll und das auch noch mit tausenden Gimmicks wie dem Heben und Senken der Stimme, Mimik, Gestik, Fantastik und der Souveränität künstlerischer Intelligenz garniert. Dagegen verblassten die literarischen Ergüsse des Pädagogengespanns, was unter Hilfe von umtriebigen und unterstützenden Kolleginnen und wohlwollend gesponsert von der besten Gastgeberin der literarischen Szene bzw. der literarischsten Gastgeberin der besten Szene den Poetry-Slam auf die Beine stellte. Abstruse Feiertagswesensverhohnepipelungen und durchdacht doppeldeutige Autobefindlichkeiten kann ja jeder!

Was die Dichter und Dichterinnen unter den Montessori-Schülern können, strahlt greller und weiter: Sie können der Angst eine angemessene poetische Heimstatt bieten. Sie finden die Nuancen der Vanitas im Miteinander der Großeltern und spiegeln so pointiert und präzise auch das eigene Altern. Sie peilen nicht umsonst eigene literarische Karrieren an und gewinnen dem kreativen Schaffensprozess anhand des plot generators gänzlich unerwartete und umwälzende Dialoge ab. Einzig: Der Spiegel-Verlag wird sich in Bielefeld nicht finden lassen. Wozu ihn überhaupt suchen?

Den metaphorischen Lorbeerkranz aus begeisterndem Applaus, Ruhm, Ehre, Klingel- und Überraschungsbeutel und empfundener Ergriffenheit erntete die aufstrebende Schriftstellerin Jule Franke mit einem hochgradig kontemplativen und feinfühlig fließenden Werk über die Menschen und ihre Zeit: Das Gestern, was aus dem Heute betrachtet golden schimmert, während das Heute heute immer schlecht zu sein scheint. Das Morgen, was dereinst, wenn das Heute zu Gestern und das Gestern zu Vergessenheit wird, auf das morgige Gestern aka das heutige Heute ebenso verklärend und wehmütig zurückblicken wird. Und der Mensch, der damit mehr oder minder klarkommt.

Wer diese Zeilen jetzt erstmal verarbeiten muss, der tut das Richtige. Denn: Es gibt etwas zu tun, zu dichten, zu denken und zu danken – Danke an alle Beteiligten für einen stilvollen Abend in angenehmer Atmosphäre, bei dem wir uns die Poesie nur so um die Ohren slammen konnten! Ich freue mich schon auf unseren nächsten Poetry-Slam. EXCALIBUR!

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Veröffentlich in der Kategorie "Oberschule" am 13.12.2019

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