Stolpersteinverlegung für Gustav und Martha Glaser

Es ist für uns, die Klassenteams Lärche und Holunder, schon Tradition geworden, an den Stolpersteinverlegungen in der Stadt Chemnitz teilzunehmen. In diesem Jahr hatten wir die Patenschaft für den Stolperstein für den Handelsvertreter Gustav Glaser übernommen, der trotz Namensgleichheit nicht mit Alice Glaser verwandt ist.

Und so machten wir uns am 5. Oktober vormittags auf den Weg zur Kopernikusstraße 16 in Schönau. Außer uns fast 50 SchülerInnen und den Klassenbegleitern waren auch einige ältere Männer und Frauen anwesend, um mit uns gemeinsam der Familie Glaser und ihrem Schicksal zu gedenken. Izumi und Thees aus der Holunderklasse lasen einen Text über das Leben von Gustav Glaser vor, den Jürgen Nitsche für diesen Anlass geschrieben hatte und aus dem in diesem Beitrag zitiert wird.

Gustav Glaser, ein in Berlin geborener Jude, war mit Martha Paula Glaser geborene Leißner, einer Protestantin, verheiratet. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten durfte Gustav Glaser nicht mehr als Handelsvertreter tätig sein. Pläne, mit seiner Frau nach Südamerika auszuwandern, zerschlugen sich. Die Eheleute mussten ihre Wohnung in Siegmar-Schönau, damals noch eine eigenständige Stadt, aufgeben und wurden bei dem ehemaligen Fabrikanten Hugo Sussmann einquartiert. Gustav Glaser musste nun zunächst für das Städtische Gartenamt Zwangsarbeit leisten und war u. a. für den Jüdischen Friedhof in Altendorf verantwortlich. Hier arbeitete er auch als „Turnlehrer“ für die Private Jüdische Volksschule. Später musste er in der Lampenfabrik E. F. Barthel Zwangsarbeit verrichten.

Ende 1944 wurden die Eheleute gezwungen, in das „Judenhaus“ Hermann-Fischer-Straße 5 (bis 1933 und nach 1945 Zimmerstraße; jetzt überbaut; zwischen Karl-Marx-Kopf und Opernhaus) in der Innenstadt zu ziehen. Von dort aus sollte Gustav Glaser zusammen mit weiteren 56 Juden aus dem Regierungsbezirk am 14. Februar 1945 nach Theresienstadt deportiert werden. Er war jedoch der Einzige, der nicht zu dem angeblichen „Arbeitseinsatz“ im Innenhof der Staatlichen Akademie für Technik erschien. Aus Angst vor der „ungewissen Zukunft“ vergiftete er sich am frühen Abend in seiner Zwangsunterkunft. Aus Liebe folgte Martha Glaser ihrem Ehemann in den Tod. Ihre sterblichen Überreste wurden am 18. Februar 1945 im Krematorium eingeäschert. Ob die Urnen auf dem städtischen Friedhof in Bernsdorf beigesetzt wurden, kann angesichts der damaligen Luftangriffe nur vermutet werden.

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Stolpersteinverlegung für Gustav und Martha Glaser
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Veröffentlich in der Kategorie "Oberschule" am 11.11.2020

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